A Fonsagrada – Padrón – Vilardongo – Montouto – Paradavella – A Lastra – Fontaneira – O Cádavo, 25. Mai 2023
Laut meinem Buch stand heute der letzte Tag im Hochgebirge auf dem Weg nach Santiago an. Geplant waren 24 Kilometer, mehr als 90 Prozent davon durch die Natur. Es sollte wieder einige Aufstiege geben und einen steileren Abstieg. Ich war vorbereitet, und es war der erste Tag mit wirklich schönem Wetter angesagt.
Allerdings war es erst einmal sehr neblig. Weil es noch früh war, ging ich zuerst einen Kaffee trinken und etwas frühstücken. Das letzte Café auf dem Weg aus der „Stadt“ hatte offen, und der Kaffee schmeckte herrlich!

Ich hatte diesmal wieder etwas mehr Gepäck dabei. Zum einen waren am Vorabend zwei Dosen Estrella nicht leer geworden, zum anderen hatte ich wieder frisches Obst eingepackt. Prioritäten. Erst ging es bergab, und nach einem kurzen Straßenabschnitt bog der Weg ab, nur um gleich wieder bergauf zu führen. Hinter Padrón ging es dann noch einmal hinauf und hinein in die Natur!




Ab hier lag wieder ein Abschnitt von rund 15 Kilometern vor mir, ohne Siedlung, ohne Versorgung, dafür mit viel Natur. Ein längerer Abstieg stand auch bevor. Allerdings musste man erst einmal 250 Höhenmeter hinauf, bevor man 400 Höhenmeter hinunter durfte. Langsam riss der Nebel auf, und die Sonne kam durch.




Es ging weiter bergauf, durch Heide und Ginster. Am Horizont drehten sich die Windräder auf den Kämmen, und der Himmel wurde immer blauer.




Laut meinem Buch sollte nach dem längeren Abstieg eine Taverne kommen, in der man sich besser ausruhen sollte, denn danach kämen weitere Aufstiege. Aber so weit war ich noch nicht. Oben in Montouto genoss ich erst einmal die Aussicht. Dort steht eine kleine Kapelle, und daneben liegen die Ruinen eines alten Pilgerhospitals. Schon wieder eins. Der Primitivo ist gepflastert mit den Herbergen von früher.




Die Sonne schien, und ich hatte Lust auf eine Siesta. Nach einer Weile fand ich zwei passende Bäume.


Ich spannte meine Hängematte auf, legte mich hin und genoss die Aussicht. Und das Estrella, das ich noch dabeihatte und das sogar noch kalt war. Es gibt Momente, da ist der Camino einfach nur perfekt. Das war so einer.

Ab da wurde es zäh. Die Taverne in Paradavella hatte natürlich zu. Gut, dass ich mich vorher ausgeruht hatte. Irgendwann kam eine weitere, und dort hatten sich auch schon einige müde Pilger gesammelt. Kein Wunder. Das Buch hatte nicht gelogen: Der Aufstieg dorthin war wieder sehr anstrengend!

Aber ich machte nur eine kurze Rast! Weiter ging es an kleinen Siedlungen vorbei, über Hügel, und die Auf- und Abstiege wollten einfach nicht weniger werden. Langsam wurde es auch richtig warm, und ich zog mir etwas Kurzes an. Die Entfernungsangaben für diesen Abschnitt stimmten irgendwie überhaupt nicht. Von 24 Kilometern war die Rede, am Ende waren es fast 28. Und das letzte Stück war wirklich unangenehm.

Dazu kam, dass sich einer meiner Schuhe langsam auflöste. Ich befürchtete schon, wieder mit den schweren Stiefeln gehen zu müssen, die ich eigentlich in Lugo nach Hause schicken wollte. Aber ich hatte Glück: In O Cádavo gab es einen Schuster, der mir den Schuh reparieren konnte. Jetzt muss er nur noch bis Santiago halten. Ein Schuster, mitten in einem kleinen galicischen Ort, genau dann, wenn man ihn braucht. Wenn das kein Camino-Wunder ist.
An diesem Tag war ich zu nichts mehr zu gebrauchen. Ich wusch Wäsche, unterhielt mich noch ein bisschen und ging um halb acht ins Bett. Eigentlich auch, um diesen Artikel zu schreiben. Morgen werden es rund 30 Kilometer bis Lugo. So weit kam es aber nicht mehr. Müde, wie ich war, schlief ich sofort ein.



Wissenswertes
- Das Hospital de Montouto wurde im 14. Jahrhundert gegründet und versorgte jahrhundertelang Pilger auf diesem einsamen Bergrücken. Bis ins 20. Jahrhundert war es in Betrieb. Heute stehen dort Ruinen und eine kleine Kapelle.
- In Padrón bei A Fonsagrada steht die Kirche Santiago de Padrón. Der Legende nach hat der Apostel hier an der Quelle gerastet, die der Stadt ihren Namen gab.
- O Cádavo gehört zur Gemeinde Baleira. Daher der große Schriftzug, der Pilger dort begrüßt.
- Estrella Galicia ist eine Brauerei aus A Coruña, gegründet 1906. Wer in Galicien ein Bier bestellt, bekommt fast immer eins von ihr.
