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Tag 2 – Oviedo nach Grado

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Oviedo – San Lázaro de Paniceres – Loriana – Gallegos – Escamplero – Premoño – Paladín – Peñaflor – Grado, 19. Mai 2023

Die Nacht war ziemlich unruhig, aber irgendwann hat mich die Müdigkeit doch übermannt. Und so war es fast schon spät, als es losging. Kurz vor acht. Für Pilgerverhältnisse ist das praktisch Mittag. In meinem Hostel waren wider Erwarten nur wenige Pilger. Aber eine etwas jüngere Frau aus Berlin schloss sich mir an, und so machten wir uns gemeinsam auf den Weg Richtung Grado.

Bevor es aus der Stadt hinausging, kamen wir noch an der Kathedrale vorbei. Dort erinnert eine Tafel daran, dass von hier aus Anfang des 9. Jahrhunderts König Alfons II. zur ersten Pilgerreise nach Compostela aufgebrochen ist. Mehr Startpunkt geht nicht.

In meinem Buch wurden die ersten Etappen als seichter Einstieg beschrieben. Seicht! Ich fand die Aufstiege durchaus anspruchsvoll. Wenn das hier seicht ist, na, dann freue ich mich ja auf die nächsten Etappen. 😬 Jedenfalls ging es ständig auf und ab. Hinter Oviedo über San Lázaro de Paniceres hinaus, dann hinunter nach Loriana und zum Río Nora bei Gallegos. Trotzdem lief es sich gut.

Sicher halfen auch die Gespräche. Die Zeit verflog nur so, und erst nach acht Kilometern meldeten sich langsam meine Füße. Aber mit den Erfahrungen vom letzten Camino konnte ich schnell und wirkungsvoll gegensteuern. Der Norte war eben doch zu etwas gut. Das Wetter spielte zunächst auch mit: frisch, aber nicht kalt, und vor allem trocken. Hinter Gallegos ging es wieder hinauf nach Escamplero und weiter durch kleine Weiler, Wiesen und Wald.

Nach drei Stunden holte uns das Wetter dann ein. Erst nieselte es, dann fing es richtig an zu regnen. Dank meines neuen Ponchos machte mir das aber wenig aus. Überhaupt fühle ich mich diesmal deutlich besser vorbereitet als beim letzten Mal. Und es sind hier mehr Pilger unterwegs als auf dem Norte.

Gegen 13:30 Uhr erreichten wir Paladín, und weil sich ein leichter Hunger meldete, war die Entscheidung schnell getroffen: Wir kehrten in der Gaststätte ein. Kaum saßen wir, goss es wie aus Eimern. Alles richtig gemacht. Manchmal ist gutes Timing die halbe Pilgerschaft. Es gab Mittagessen und etwas zu trinken, und gegen 14:30 Uhr ging es weiter. Über die Brücke über den Nalón nach Peñaflor, und noch rund acht Kilometer später, gegen halb fünf, erreichten wir Grado.

Morgen geht es eventuell bis Bodenaya. Rund 30 Kilometer, etwa 500 Höhenmeter hinauf auf rund 740 Meter. Ich bin gespannt.

Wissenswertes

  • Die Etappe Oviedo–Grado ist rund 26 Kilometer lang. Je nach Quelle kommen dabei gut 600 bis 700 Höhenmeter im Aufstieg zusammen. Meine Aufzeichnung kam auf 706 Meter. Von wegen seicht.
  • Die Tafel an der Kathedrale San Salvador stammt aus dem Heiligen Jahr 2010. Sie erinnert daran, dass Alfons II., „der Keusche“, von hier aus als erster Pilger zum Apostelgrab aufbrach.
  • Die Brücke von Gallegos über den Río Nora gilt als sehr alt. Manche Quellen nennen sie römisch. Kurz vor Peñaflor überquert der Weg den Nalón, den größten Fluss Asturiens, auf einer Brücke, deren Ursprünge ins Mittelalter zurückreichen.
  • Grado ist bekannt für seinen Markt, der seit Jahrhunderten jeden Sonntag stattfindet. Wer samstags ankommt und eine Nacht bleibt, kann ihn erleben.