Grandas de Salime – Castro – Peñafuente – Alto del Acebo – Fonteo – Paradanova – A Fonsagrada, 24. Mai 2023
Seit zwei Tagen führt der Weg mehr und mehr aus den Bergen heraus. Was aber nicht heißt, dass es weniger hügelig wird. Eigentlich war das ein sehr anstrengender Teil. Die Anstiege sind zwar nicht mehr ganz so hoch, aber es sind mehr geworden, und das ständige Auf und Ab geht ganz schön in die Füße und Beine.
Von Grandas de Salime ging es erst einmal wieder bergauf, vorbei an den letzten Häusern, und dann zurück in die Natur. Auch auf dieser Etappe gab es so gut wie keine Infrastruktur. Ich habe auf den letzten Etappen nicht einen einzigen dieser kleinen Supermärkte gesehen! Das heißt jedes Mal: vorher genug Wasser und Obst einkaufen, damit man unterwegs versorgt ist. Drei Kilo zusätzliches Gewicht, die bei den vielen Höhenmetern zusätzlich drücken.




Hinter Castro und Peñafuente ging es durch Wald und Heide, immer wieder bergauf, immer wieder bergab. Bebauung gab es kaum, und wenn, dann nur eine Handvoll Gebäude.



Oben am Alto del Acebo drehten sich die Windräder, und hier oben ging es auch über die Grenze. Ab jetzt war ich in Galicien. Die letzte Region bis Santiago.



Der Weg nach A Fonsagrada erwies sich als anstrengender als gedacht. Auch wenn die einzelnen Höhenunterschiede nicht mehr groß waren, machen es die schiere Anzahl und manchmal auch die Steilheit der Anstiege, die einen zur Verzweiflung bringen können. Gerade diese Etappe zog sich, weil es wenig Abwechslung gab. Die Auf- und Abstiege nimmt man irgendwann einfach hin. Landschaftlich gehörte sie aber zu den schöneren Etappen: sehr wenige Straßenabschnitte, sehr viel Wald und Natur.



Als mir dann irgendwann die Füße richtig wehtaten, habe ich nachgesehen, wie weit es noch bis zum Etappenziel war. Zwei Kilometer. Gut zu schaffen. Doch als ich um die Kurve bog und sah, WO mein Ziel lag, war ich kurz wirklich sauer. Das konnte doch nur ein Fehler sein! Nach diesem ohnehin anstrengenden Tag ging es jetzt noch einmal sehr steil bergauf. A Fonsagrada liegt oben auf einem Berg. Natürlich. Wo auch sonst.



Aber letztlich habe ich auch diesen Aufstieg hinter mich gebracht. In A Fonsagrada hatte ich diesmal keine Reservierung bekommen. Ich bin auf gut Glück in die erste Herberge gegangen und habe dort das letzte Bett bekommen. Direkt unter der Lüftung. Aber ein Bett ist ein Bett.
Weil ich an diesem Tag noch nichts Vernünftiges gegessen hatte, wollte ich kochen. Die Küche war sehr gut ausgestattet, also gab es eine große Portion Spaghetti al tonno. Für mich und für die anderen Pilger. Es wurde ein lustiger Abend, der die vielen Höhenmeter und die fast 27 Kilometer vergessen ließ. Wer für andere kocht, hat in der Herberge sofort Freunde.


Wissenswertes
- Am Alto del Acebo verlässt der Primitivo Asturien und erreicht Galicien. Ab hier stehen die galicischen Wegsteine mit der Kilometerangabe bis Santiago.
- Bei Grandas de Salime liegt der Castro de Chao Samartín, eine Siedlung aus der Bronze- und Eisenzeit, die später von den Römern genutzt wurde. Sie gehört zu den wichtigsten archäologischen Fundstätten Asturiens.
- A Fonsagrada verdankt ihren Namen der Legende nach einer „heiligen Quelle“ (fonte sagrada). Der Apostel Jakobus soll hier einer armen Witwe begegnet sein und das Wasser der Quelle in Milch verwandelt haben, damit sie ihre Kinder ernähren konnte.
- A Fonsagrada liegt auf knapp 950 Metern. Das sieht man vor allem dann, wenn man am Ende einer langen Etappe zu ihr hinaufschaut.
