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Tag 6 – Berducedo nach Grandas de Salime

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Berducedo – La Mesa – Buspol – Embalse de Salime – Grandas de Salime, 23. Mai 2023

Die Etappe von Berducedo nach Grandas de Salime führt über einen Bergkamm hinunter zu einem Staudamm im Tal und von dort wieder den Berg hinauf. Angesetzt sind gemütliche 20 Kilometer. Weniger gemütlich ist allerdings der Abstieg zum Staudamm, und auch der Weg hinauf zum Kamm war noch einmal ziemlich anstrengend. Los ging es um 8 Uhr. Ich hatte gut und entsprechend lange geschlafen. Allerdings hatte ich mir bei der abendlichen Dehnungsrunde die Seitenmuskulatur ein wenig überdehnt, und das tat jetzt weh. Ausgerechnet beim Dehnen. Der Körper hat einen eigenwilligen Humor, das hatte ich ja schon letztes Jahr festgestellt.

Beim Kaffee setzte sich eine ältere Dänin zu mir, und wir kamen ins Gespräch. Es war tatsächlich das erste Gespräch dieser Art auf diesem Weg. Sie war nach 30 Jahren Ehe geschieden und hatte in den letzten fünf Jahren so einiges erlebt. Auf dem Camino war sie vor allem, um den Verlust ihrer Mutter und ihrer Großmutter zu verarbeiten. Und um sich selbst zu beweisen, dass sie das allein schafft. Wir unterhielten uns noch eine kleine Weile, dann brach ich auf. Jeder trägt hier etwas mit sich herum. Bei manchen sieht man es am Rucksack. Bei den meisten nicht.

Der erste Anstieg war gleich recht steil, bot aber schon nach kurzer Zeit einen herrlichen Blick zurück. Dann bog der Weg ab, führte durch ein kurzes Waldstück zu einer Straße und von dort weiter nach La Mesa.

Gleich am Ortseingang hatte ich eine Bank entdeckt, und weil ich zu diesem Zeitpunkt schon fünf Kilometer hinter mir hatte, wollte ich mich dort ausruhen. Wäre ich noch ein paar Meter weitergegangen, hätte es auch einen Kaffee dazu gegeben. So war es eben nur die Pause. Passte aber auch. Hinter La Mesa ging es sehr steil eine Straße hinauf, der letzte richtig steile Anstieg des Tages. Die Straße führte an einem Windpark vorbei und dann über den Bergkamm. Oben angekommen, hatte ich einen herrlichen Blick ins Tal, konnte den aufgestauten Fluss sehen, und sogar mein Etappenziel war in der Ferne zu erkennen.

Von hier begann der Abstieg. Rund 750 Meter sollte es abwärts ins Tal gehen. Nach einem Waldbrand 2017 stehen an diesem Hang keine Bäume mehr. Früher gab es hier einen dichten Wald, der vor Sonne und Wind geschützt hat. Jetzt ist man der Witterung vollkommen ausgeliefert. An Tagen wie heute war das kein Problem. Aber wenn es sehr heiß oder sehr nass ist, kann dieser Abstieg ziemlich unangenehm werden.

Mal war die Strecke steiler, mal flacher. Insgesamt kam ich gut voran, und irgendwann tauchte zwischen den Bäumen die Staumauer unter mir auf.

Gegen Mittag erreichte ich den Staudamm. Ein gewaltiges Bauwerk, gesäumt von Ruinen nicht mehr bewohnter Gebäude. Hier haben einmal die Menschen gelebt, die den Damm gebaut haben. Strom wird hier angeblich nur bei Bedarf erzeugt, weil der Wasserstand nicht hoch genug sei, um dauerhaft zu produzieren.

Ich blieb eine Weile am Staudamm, schaute aufs Wasser und ruhte mich aus. Dann ging es weiter, die letzten rund 300 Höhenmeter bergauf, entlang einer wenig befahrenen Straße. Früh am Nachmittag erreichte ich schließlich mein Ziel. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich in meiner Hängematte. Nach 750 Metern bergab hat man sich das verdient.

Wissenswertes

  • La Mesa ist ein kleines Bergdorf mit einer Herberge und einer Bar. Danach steigt der Weg zur Kapelle von Buspol hinauf, vorbei an den Windrädern auf dem Kamm.
  • Der Embalse de Salime staut den Río Navia. Die Staumauer wurde in den 1950er-Jahren gebaut und war damals eine der größten in Europa. Für den Bau entstand ein eigenes Arbeiterdorf am Hang, von dem heute fast nur noch Ruinen übrig sind. Beim Aufstauen versanken mehrere Dörfer und Höfe im Tal.
  • Das Kraftwerk wurde von dem asturischen Künstler und Architekten Joaquín Vaquero Palacios gestaltet, bis hin zu großen Wandbildern im Maschinensaal.
  • Grandas de Salime ist der letzte größere Ort in Asturien vor der Grenze nach Galicien. Bekannt ist er für sein ethnografisches Museum, das zeigt, wie man in dieser abgelegenen Bergregion früher gelebt hat.