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Tag 10 – Lugo nach O Burgo de Negral

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Lugo – Ponte Romana – San Lázaro – Seoane – San Román da Retorta – O Burgo de Negral, 27. Mai 2023

Eigentlich war heute nur eine kurze Etappe geplant. Daraus wurden dann doch immerhin 23 Kilometer. Und die zogen sich ganz schön. Mein Körper ist hart an der Leistungsgrenze. Vor allem an den Knöcheln und Füßen setzen sich Schmerzpunkte fest, die wirklich unangenehm sind. Gestern kamen auch noch ordentliche Rückenschmerzen dazu, die mir den Tag ein wenig verdorben haben. Die nächste Tour mache ich mit einem kleineren, leichteren Rucksack. Das Monstrum ist einfach zu schwer. Wir zwei werden in diesem Leben keine Freunde mehr.

Ursprünglich hatte ich ja überlegt, einen Tag in Lugo zu bleiben. Aber als ich um sechs Uhr wach wurde und zum Packen aufgestanden war, bin ich dann auch gleich los. Früh am Morgen war Lugo noch einmal sehr, sehr angenehm. Es war kaum jemand unterwegs. Ich durchquerte die Altstadt, vorbei an der Mauer und den Kirchen, die gestern Nachmittag noch voller Leben waren.

An der Kathedrale vorbei ging es durch die Porta Miñá, eines der alten Stadttore, hinaus und hinunter zum Fluss. Über die römische Brücke ging es über den Miño, und dann bergauf. Lugo steht nämlich auf einem Hügel, und das merkt man vor allem, wenn man es verlässt. Am Brückenkopf hielt ein römischer Legionär aus Metall Wache. Er hat mich durchgelassen.

Danach ging es eigentlich den ganzen Tag fast nur über die Straße. Versorgung gab es wieder kaum, und die Tavernen, die am Weg angekündigt waren, hatten geschlossen.

Gegen Mittag fand ich ein Restaurant, in dem ich eine kurze Pause machen konnte. Inzwischen war es sehr heiß geworden, und ich war für das kalte Wasser und die kurze Rast wirklich dankbar. Ich ging aber bald weiter, denn für den Nachmittag waren Regen und Gewitter angekündigt. Das wollte ich unbedingt vermeiden.

Ich hatte mein Tempo inzwischen auch gedrosselt. Es machte keinen Sinn, mit so schnellen Schritten unterwegs zu sein. Ich versuchte lieber, den Weg mehr zu genießen. Durch Eukalyptuswälder und an Feldern vorbei erreichte ich gegen 14:30 Uhr mein Etappenziel: O Burgo de Negral, ein kleiner Ort kurz vor Ferreira.

Die Herberge, die ich mir ausgesucht hatte, hat nur wenige Zimmer, aber die sind sehr gut und sauber. Ich wollte mich nur kurz hinlegen und bin nach wenigen Minuten eingeschlafen. Wach wurde ich von einem heftigen Gewitter mit starkem Regen, das über uns hinwegzog. Ich war wirklich froh, nicht mehr draußen auf der Straße zu sein! Manchmal ist Langsamkeit eben doch kein Nachteil, solange man vor dem Gewitter ankommt.

Morgen geht es nach Melide. Dort trifft der Primitivo auf den Camino Francés, und ab Arzúa kommt auch noch der Norte dazu, auf dem ich letztes Jahr dort angekommen bin. Die Zahl der Pilger dürfte noch einmal stark ansteigen.

Wissenswertes

  • Die Porta Miñá ist eines der ursprünglichen Tore der römischen Stadtmauer von Lugo. Durch sie verlassen die Pilger des Primitivo die Stadt in Richtung Miño.
  • Die römische Brücke über den Miño geht auf das 1. Jahrhundert zurück. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und ist heute eine Fußgängerbrücke.
  • Zwischen Lugo und San Román da Retorta folgt der Primitivo in weiten Teilen einer alten Römerstraße, der Via XIX. In San Román steht ein römischer Meilenstein.
  • Santa Eulalia de Bóveda, ein kleiner Abstecher von wenigen Kilometern abseits des Weges, ist ein spätrömisches Bauwerk mit gut erhaltenen Wandmalereien. Wozu es ursprünglich diente, ist bis heute umstritten.
  • Eukalyptus ist in Galicien allgegenwärtig, stammt aber ursprünglich aus Australien. Er wächst schnell und wird für die Papierindustrie angebaut. Den typischen Duft hat man auf den letzten Etappen ständig in der Nase.