Schlawuzis

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Tag 4 – Porciles nach Borres

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Porciles – Bodenaya – La Espina – El Pedregal – Tineo – Villaluz – Vega del Rey – Campiello – Borres, 21. Mai 2023

Heute war wieder so ein Tag. Schon der Start lief nicht so, wie ich wollte. Meine Kleidung war im Wohnzimmer der Herberge eingeschlossen, und vor 7 Uhr kam da niemand ran. Meine frisch gewaschene Wäsche, in Sicherheitsverwahrung. Also packte ich erst einmal alles andere zusammen und wartete. Um 7 gab es einen Kaffee, kurz danach brach ich auf. Erstes Etappenziel: Tineo. Mit den leichten Schuhen lief es sich gut, und ich kam schnell voran.

Weil Sonntag war, gab es so früh auch nirgends etwas zum Frühstücken. Bodenaya, La Espina, alles schlief noch. Ich ging einfach weiter und war der Meinung, das würde heute eine leichte Etappe. Na ja. Gemessen an gestern sicher. Am Ende kamen aber doch einige Höhenmeter zusammen, und je weiter ich kam, desto schwieriger wurde das Gelände.

Den ersten Matschabschnitt bin ich noch mit den Trailrunnern gegangen. Beim zweiten habe ich dann doch auf die Stiefel gewechselt. Schweren Herzens, aber es war die richtige Entscheidung. Der Weg wurde immer matschiger, und irgendwann fing es auch noch an zu regnen.

Im Großen und Ganzen war die Strecke eher unspektakulär. Viele Feldwege. Und dank Karl, meinem Wanderstab, der mir hilft, die Balance zu halten, kam ich auch an größeren Schlammlöchern gut vorbei. Karl ist ein schweigsamer Begleiter, aber zuverlässig. Gegen 11 Uhr erreichte ich mein Zwischenziel Tineo. Zeit für ein richtiges Frühstück. Ich packte mir außerdem ein Baguette als Wegzehrung ein. Eine gute Idee, wie sich später herausstellen sollte.

Gegen 12 Uhr ging es weiter. Inzwischen regnete es richtig, und ich musste den Poncho anlegen. Es war kalt, nass, und es ging wieder bergauf. Diesmal nur um rund 390 Meter auf rund 900 Meter, aber das reichte. Zumal der Untergrund teilweise in wirklich schlechtem Zustand war.

Vorbei an Feldern, Weiden und Zäunen erreichte ich nach anderthalb Stunden den höchsten Punkt. Oben hing der Nebel so dicht, dass die Pferde auf der Weide aussahen wie Gestalten aus einem Schauerroman.

Ein paar von ihnen kamen neugierig an den Zaun. Wahrscheinlich wollten sie wissen, was das für ein seltsames nasses Wesen mit Plastikumhang ist. Dann ging es gleich wieder ganz hinunter, durch Wald und über Geröll, Richtung Villaluz und Vega del Rey.

Es zog sich. Die Muskelschmerzen nahmen langsam zu, und etwa sechs Kilometer vor dem Etappenziel kam ich an meine Grenzen. Gut, dass ich das Baguette dabeihatte. So konnte ich mich stärken. Nach vier weiteren Kilometern erreichte ich Campiello. Die Taverne hatte offen. Zeit für eine Pause. Und für eine Flasche Sidra. Nach so einem Tag wirkt die schneller, als man denkt.

Danach ging es zügig, und ein klein wenig beschwipst, weiter zur Herberge in Borres. Klein, aber sehr ordentlich. Leider habe ich dort den schlimmen Schnarcher aus Grado entdeckt. Diese Nacht wird also wieder unruhig. Der Mann verfolgt mich.

Wissenswertes

  • Tineo spielte für den Pilgerweg eine wichtige Rolle. Im 13. Jahrhundert ließ König Alfons IX. festlegen, dass die Pilger über Tineo und das Kloster Santa María la Real de Obona gehen sollten. Das Kloster liegt heute ein kleines Stück abseits des Weges.
  • Asturische Sidra ist ein herber, naturtrüber Apfelwein. Traditionell wird sie aus großer Höhe ins Glas gegossen („escanciar“), damit sie Luft bekommt. Man trinkt immer nur einen kleinen Schluck auf einmal. Wer das nach einer langen Etappe vergisst, merkt den Rest des Weges, wie gut sie wirkt.
  • Pferde auf den Bergweiden gehören in Asturien zum Landschaftsbild. Viele stehen das ganze Jahr draußen. Die einheimische Rasse heißt Asturcón und ist ein kleines, robustes Bergpony.
  • Campiello ist für viele Pilger die letzte gute Versorgungsstation vor der Hospitales-Route. Wer am nächsten Tag über die Berge will, deckt sich hier noch einmal ein.