Borres – La Mortera – Hospital de Paradiella – Hospital de Fonfaraón – Hospital de Valparaíso – Puerto del Palo – Montefurado – Lago – Berducedo, 22. Mai 2023
Vor der heutigen Etappe hatte ich richtig Respekt. Die Hospitales-Route führt über einen Bergkamm, vorbei an den Resten von drei historischen Pilgerhospitälern. Der erste Aufstieg geht um 700 Meter hinauf auf über 1.200 Meter, und dazwischen geht es immer wieder auf und ab. Es versprach richtig anstrengend zu werden, und das Wetter war der größte Unsicherheitsfaktor. Dazu kommt: Auf der gesamten Strecke von 26 Kilometern gibt es keinerlei Versorgung. Was ich brauche, muss ich mitschleppen. Ich hatte also zwei Liter Wasser und allerlei Obst und Nüsse im Gepäck.

Das Wetter hätte nicht besser sein können. Am Himmel keine Wolke, und zumindest zu Beginn sah auch nichts danach aus, dass sich das ändern würde. Die ersten zwei Kilometer bis zum Abzweig begleitete mich ein wunderbarer Sonnenaufgang. Unten in den Tälern lag noch der Nebel wie Watte.


Dann wurde es ernst. Am Abzweig hätte ich mich noch umentscheiden können, für die Variante über Pola de Allande. Aber mein Entschluss stand fest. Ich wollte diesmal bei einer schwierigen Etappe nicht wieder einen Rückzieher machen. Also bog ich ab und stieg langsam den Berg hinauf.

Die ersten Anstiege waren sogar noch relativ gut zu bewältigen. Der Weg zog sich langsam dahin, und dann erreichte ich La Mortera, die letzte Siedlung, mit einer kleinen Kapelle. Danach ging es steil bergauf. Hier hatte es vor wenigen Wochen gebrannt. Die Spuren konnte man schon von Weitem sehen. Die allermeisten Bäume waren abgestorben und verkohlt, auch das Unterholz war flächendeckend verbrannt. Es roch immer noch stark nach Brand. Es wird Jahre dauern, bis sich die Natur hier erholt. Wenn überhaupt.


Im Laufe des Tages wurde mir klar, wie groß das Ausmaß der Zerstörung war. Es war nicht nur der erste Hang betroffen. Die Brandspuren zogen sich über die gesamte Hospitales-Route. Überall hatte das Feuer gewütet, und so heftig, wie heute der Wind blies, wundert mich das nicht. Gerade das trockene Gestrüpp am Boden ist hier im Fall eines Feuers brandgefährlich.


Der Wind. Ja, das Wetter war wirklich gut, aber es war bitterkalt, und der Wind zog heftig, was das Kältegefühl noch verstärkte. Ich war froh, dass meine Jacke ordentlich isoliert. Gefroren habe ich trotzdem immer wieder. Ich legte auch immer wieder Pausen ein, denn der Aufstieg mit dem Rucksack war wirklich anstrengend. Vorbei an den Ruinen der alten Hospitäler, Paradiella, Fonfaraón, Valparaíso, in denen vor Jahrhunderten Pilger Schutz vor genau diesem Wind gesucht haben. Die Aussicht hat mich dann belohnt. Die Mühe war es wert. Anders als letztes Jahr bei Mondoñedo, wo ich oben nur Nebel gesehen hatte, hatte ich diesmal einen herrlichen Ausblick!






Am Puerto del Palo traf mein Weg wieder auf die Route über Pola de Allande, und dann ging es vom Bergkamm hinunter. Ich war heilfroh, dass es nicht regnete, denn der Pfad nach unten war sehr schmal, steil und voller Geröll. Hier hatten die Füße wirklich viel auszuhalten. Als ich den steilsten Abstieg hinter mir hatte, habe ich die Schuhe gewechselt und wieder die leichten angezogen. Damit liefen sich die letzten neun Kilometer über Montefurado und Lago etwas leichter. Die Sonne kam auch wieder heraus, und ich konnte endlich die Jacke ausziehen und die Wärme auf den letzten Kilometern genießen. Eine letzte Pause, und dann ging es ins Quartier nach Berducedo.


Wärmer hätte es heute allerdings nicht sein dürfen. Ich hatte nur zwei Liter Wasser dabei, und etwa vier Kilometer vor dem Ziel war es aus. Wäre es wärmer gewesen, wäre das viel früher passiert, und dann hätte es auf dieser Etappe wirklich ein Problem werden können. Andererseits hätte ich auch nicht gewusst, wie ich zwei weitere Kilo hätte schleppen sollen.
So bin ich nun endlich da und fühle mich ziemlich wohl. Morgen geht es nach Grandas de Salime. Eine kürzere Strecke, aber ein heftiger Abstieg. Wir sind hier noch auf rund 900 Metern, und laut meinem Buch geht es 700 Meter hinunter. Ich hoffe sehr, dass das Wetter mitspielt.
Über das Warum und Wieso versuche ich morgen mal, meine Gedanken zu sammeln.


Wissenswertes
- Die Hospitales-Route ist die Bergvariante zwischen Borres und dem Puerto del Palo. Sie ist knapp 14 Kilometer lang, ihr höchster Punkt liegt bei gut 1.200 Metern. Unterwegs liegen die Ruinen mittelalterlicher Pilgerhospitäler: Paradiella, Fonfaraón und Valparaíso, dazu La Freita kurz vor dem Pass. Bei schlechtem Wetter, Nebel oder Schnee wird von dieser Variante abgeraten. Dann ist der Weg über Pola de Allande die bessere Wahl.
- In La Mortera steht die kleine Kapelle San Pascual. Es ist die letzte Siedlung vor dem Aufstieg.
- Der Puerto del Palo liegt auf gut 1.140 Metern. Dort treffen sich die Hospitales-Route und der Weg über Pola de Allande wieder.
- Waldbrände im Frühjahr 2023: Ende März 2023 brannten in Asturien bei Trockenheit und starkem Wind innerhalb weniger Tage zahlreiche Feuer, vor allem im Westen der Region.
- In Lago steht neben der Kirche eine Eibe, die auf viele hundert Jahre geschätzt wird. Eiben wurden in Asturien traditionell bei Kirchen gepflanzt.
