Tag 14: Piñeres nach Oviedo

Die Nacht in der kleinen Herberge in Piñeres war eigentlich relativ ruhig, wenn man einmal von den Hunden absieht, die der Meinung waren, die gesamte Nacht durchbellen zu müssen. Das eigentliche Problem war allerdings das Wetter: Es hat extrem viel geregnet. Ich bin heute erst spät aufgestanden, um sieben Uhr, und da kam das Wasser wirklich noch heftig vom Himmel. Zwei andere Pilgerinnen sind tapfer aufgebrochen, und nur kurz darauf goss es wirklich aus Kübeln. In diesem Moment haben wir zu dritt beschlossen, dass Heldengeschichten bei diesem Wetter keinen Sinn machen und wir den Bus nehmen würden – allerdings direkt nach Oviedo und nicht, wie ursprünglich angedacht, nur bis Colunga.

Doch wie so oft auf dem Camino, ändert sich alles, wenn man sich eigentlich schon entschieden hat. Auf dem Weg zur Bushaltestelle riss der Himmel plötzlich auf. Ich habe mich in dem Moment kurzfristig umentschieden: Ich wollte die restlichen Kilometer nach Ribadesella doch laufen. Es waren ja ohnehin nur noch rund zwölf Kilometer, und der Bus nach Oviedo würde später auch von dort abfahren. Es war eine gute Entscheidung, denn das halbwegs stabile Wetter schien sich geradezu mit mir mitzubewegen, während die dunklen Wolken in der Ferne blieben.

Allerdings war die Strecke selbst alles andere als unkompliziert. Die Wege waren nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage und der Nacht völlig durchnässt. Gleich der erste Abzweig auf dem offiziellen Camino erwies sich als schlichtweg unpassierbar: Die Wiese und der angrenzende Wald standen auf weiten Teilen komplett unter Wasser. Also musste ich improvisieren und einen Umweg über eine Straße nehmen, die dann immerhin asphaltiert bis zu einem alten Kloster führte. Von dort aus war der Weg dann wieder machbar.

Zwischendurch kam ich an einem kleinen Bach vorbei, der eindrucksvoll demonstrierte, was der viele Regen angerichtet hatte. Eine moderne Autobrücke stand komplett unter Wasser. Direkt daneben stand allerdings eine alte, römische Bogenbrücke für Fußgänger – und die war völlig problemlos passierbar. Die Römer wussten eben sehr genau, wie und wo man baut; ihrer Brücke war das Hochwasser schlicht egal.

Der weitere Weg danach war schön, wenn auch relativ ereignislos. Es gab zwar immer wieder riesige Pfützen, aber mit ein wenig strategischem Vorausschauen kam man ganz gut drum herum, ohne gleich knietief im Wasser zu stehen.

Gegen 11 Uhr erreichte ich Ribadesella. Der Bus nach Oviedo kam pünktlich, und mein Timing hätte besser nicht sein können: Kaum saß ich im Trockenen, fing es draußen wieder heftig an zu regnen. Die Entscheidung für den Bus war also goldrichtig gewesen. Gegen 13 Uhr kam ich in Oviedo an, aß erst einmal eine Kleinigkeit und bezog dann mein Quartier. Danach stand natürlich der obligatorische Besuch in der imposanten Kathedrale von Oviedo an.

Die Stadt selbst ist heute im Ausnahmezustand, denn es gibt eine Fiesta: ein Käsefest. Es ist unglaublich viel los – Musik, unzählige Stände, Menschenmassen und natürlich Käse in allen denkbaren Variationen. Ich habe mich noch mit anderen Pilgern getroffen, und wir werden den Abend gleich noch bei Essen und Trinken gemeinsam ausklingen lassen.

Morgen geht es dann nach Avilés. Aktuell überlege ich sogar, ob ich die Strecke dorthin nicht doch komplett laufen soll, anstatt wie geplant ein Stück zu fahren. Aber das entscheide ich morgen früh, ganz flexibel, je nachdem, wie das Wetter ist und wie sich die Beine anfühlen. Erstmal stürze ich mich jetzt ins Käsefest.

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