Porto

Der Weg vom Flughafen ins Zentrum zog sich – aber auf eine gute Art. Ich nahm den Linienbus, lehnte mich zurück und ließ die ersten Bilder Portugals einfach auf mich wirken. Es ist ein besonderes Gefühl, in einer fremden Stadt anzukommen, ohne sofort irgendwo hin zu müssen. Stattdessen schaut man einfach nur: aus dem Fenster, in Gesichter, auf Häuserfassaden, die Geschichten erzählen, die man noch nicht kennt.

Und Porto erzählt viele Geschichten.

Die Stadt wirkt eng, bunt und irgendwie ständig in Bewegung. Nichts scheint wirklich geschniegelt oder perfekt – eher im Gegenteil. Alles lebt, alles atmet, alles wirkt ein wenig improvisiert. Nach etwa 45 Minuten erreichte ich den historischen Stadtkern, stieg aber bewusst eine Haltestelle früher aus. Ein paar Meter wollte ich noch zu Fuß gehen. Ankommen, nicht nur geografisch, sondern auch innerlich.

Und vielleicht auch, um mich langsam mit meinem Rucksack anzufreunden.

Schon nach den ersten Schritten beschlich mich nämlich der leise Verdacht, dass ich es beim Packen ein wenig zu gut gemeint hatte. Der Rucksack saß schwer auf meinen Schultern und ich fragte mich kurz, ob ich wirklich vorhabe, dieses Monstrum 250 Kilometer durch die Gegend zu tragen. Die ehrliche Antwort: Ich habe keine Ahnung. Aber jetzt ist er nun mal da.

Porto selbst ist… widersprüchlich. Es gibt Ecken, bei denen man denkt: „Das hätte man auch lassen können.“ Bausünden, bröckelnde Fassaden, Häuser, die bessere Zeiten gesehen haben. Und direkt daneben wieder diese wunderschönen, historischen Gebäude, die der Stadt ihren ganz eigenen Zauber verleihen. Selbst die Ruinen wirken hier nicht traurig, sondern irgendwie charmant – als hätten sie beschlossen, einfach Teil des Ganzen zu bleiben.

Im Hostel angekommen, warf ich meinen Rucksack erstmal ab – im wahrsten Sinne des Wortes. Er landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden, als wollte er mir noch einmal deutlich machen, wer hier das Sagen hat. Wie ich dieses Gewicht die nächsten Tage tragen soll, ist mir weiterhin ein Rätsel. Aber gut, der Camino beginnt bekanntlich im Kopf. Und vermutlich auch im Rücken.

Das Hostel selbst ist ordentlich und sauber, liegt allerdings an einer ziemlich stark befahrenen Straße. Für zwei Nächte wird es gehen. Interessanter ist ohnehin das Vierbettzimmer. Fremde Menschen auf engem Raum – ein Konzept, das ich zuletzt auf Klassenfahrt erlebt habe. Ich bin gespannt, welche Geschichten hier noch einziehen werden.

Danach zog es mich wieder raus. Drei Stunden lang lief ich durch die Straßen, ließ mich treiben, bog einfach hier und da ab, ohne Plan, aber mit offenen Augen. Ich sammelte Eindrücke, Geräusche, Gerüche – und meinen ersten Stempel. Ein kleiner Moment, der sich überraschend groß anfühlte. So unscheinbar er ist, markiert er doch den Anfang von etwas.

Gegen 22:00 Uhr war ich schließlich müde, meine Füße meldeten sich deutlich zu Wort, und mein Körper verlangte nach Ruhe. Ein langer Tag lag hinter mir, und ein neuer wartete bereits.

Mal sehen, was er bringt.

Tags:

Comments are closed

Latest Comments

Es sind keine Kommentare vorhanden.