Heute stand Tag 10 auf dem Programm: Von Santillana del Mar nach San Vicente de la Barquera. Sportliche 34 Kilometer. Nachdem sich unsere gestrige Gruppe aufgelöst hatte, startete ich heute wieder als Solo-Pilger. Um 6:00 Uhr morgens war ich auf der Piste.




Der erste Abschnitt bis Comillas bestand hauptsächlich aus ehrlichem, unnachgiebigem Asphalt. Aber es ist schon erstaunlich, was das Wetter für einen Unterschied macht. Vor vier Jahren bin ich hier schon einmal entlanggelaufen – damals im strömenden Dauerregen, was die Strecke eher zu einer nassen Willensprüfung machte. Heute hingegen schien die Sonne. In Caborendondo gab es das erste Frühstück, und allein die Tatsache, dabei trocken zu bleiben, war schon ein voller Erfolg.




Gegen 11:30 Uhr marschierte ich in Comillas ein. Die Stadt kam mir sofort vertraut vor, überall ploppten Erinnerungen an meinen letzten Camino hier auf. Ich kaufte mir ein frisches Brot, gönnte mir ein ausgedehntes zweites Frühstück und brach um 13:30 Uhr wieder auf. Der Weg führte mich zum Campingplatz in La Oyambre. Dieser Ort hat für mich eine ganz besondere, leicht traumatische Bedeutung: Vor vier Jahren stand ich exakt hier im heftigsten Wolkenbruch bis zu den Knöcheln im Wasser und war gezwungen, völlig entnervt ein Taxi zu rufen, weil einfach nichts mehr ging. Heute sah die Welt hier ganz anders aus.
Ich spazierte entspannt hinein, bestellte mir in der Bar ein kühles Getränk, hielt einen kleinen Plausch mit der Wirtin und staubte dabei gleich noch einen guten Tipp für den weiteren Weg ab. Vergangenheitsbewältigung auf die entspannte Art.




Von La Oyambre waren es noch etwa acht Kilometer bis zum Ziel. Kurz nach dem Campingplatz fing es plötzlich leicht an zu regnen, was sich aber schnell wieder erledigte. Dank des Tipps der Wirtin wechselte ich nach vier Kilometern direkt auf den Strand und lief wunderbar am Wasser entlang bis zum Planet Surf Camp.






Doch kurz bevor ich die große Brücke vor San Vicente de la Barquera erreichte, zog plötzlich ein Gewitter auf. Genau rechtzeitig vor der Brücke setzten die Schleusen ein. Aber das Glück war auf meiner Seite: Direkt neben mir tauchte ein Lokal auf. Ich flüchtete mich ins Trockene und verband das Warten auf das Ende des Gewitters kurzerhand und pragmatisch mit einem sehr frühen Abendessen.
Als sich das Wetter wieder beruhigt hatte, nahm ich die restlichen Meter in Angriff. Gegen 16:00 Uhr checkte ich im „Nomad Hostel“ in San Vicente de la Barquera ein. Eine saubere und schicke Unterkunft. Die 34 Kilometer stecken in den Beinen, aber insgesamt bin ich mit diesem versöhnlichen Tag extrem zufrieden.

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