Heute ging es von San Vicente nach La Franca, knappe 21 Kilometer, und ich war wieder allein unterwegs. Das klingt erst einmal nach einer überschaubaren Etappe, hatte aber einen kleinen Haken: Es ging gefühlt fast ausschließlich über Asphalt und Straßen. Viel Abwechslung bot der Weg nicht, dafür umso mehr Gelegenheit, sich von Autos überholen zu lassen und über die eigene Lebensentscheidung nachzudenken. Eine kleine Ausnahme bildete der Weg hinauf nach Colombres: Hier durfte ich den nervigen Asphalt endlich mal verlassen und auf einen kleinen Nebenweg abbiegen. Der Haken an der Sache? Dieser unscheinbare Pfad entpuppte sich als überraschend steil und verlangte den Beinen noch mal ordentlich was ab.






Weil mir das monotone Straßenlaufen auf den restlichen Kilometern irgendwann gründlich reichte, habe ich heute den Vorsatz des Digital Detox kurz pausiert und auffallend viel Musik gehört. Es war schlicht angenehmer, sich von Liedern beschallen zu lassen als vom ständigen Rauschen des Straßenverkehrs. Trotzdem war ich ziemlich zügig unterwegs und stand schon gegen 12:00 Uhr in La Franca. In die Herberge konnte ich zwar erst um halb eins, aber das war ausnahmsweise völlig in Ordnung. Kaum hatte ich mein Bett bezogen, habe ich mich hingelegt und erst einmal bis 16:00 Uhr tief und fest geschlafen. Offenbar hatte mein Körper dazu eine sehr klare Meinung.






Die Herberge hier ist recht einfach, und rundherum glänzt die Infrastruktur wieder mit gnadenloser Abwesenheit. Meine Vorräte sind inzwischen restlos aufgebraucht, immerhin konnte ich mir noch Wasser organisieren. Morgen muss ich unbedingt wieder Obst besorgen, sonst lebt mein Körper bald ausschließlich von Baguette und gutem Willen. Heute Abend gab es dann auch genau das, was die örtliche Lage noch hergab: ein Baguette und einen sehr einfachen Salat. Nicht glamourös, aber funktional. Mehr konnte und wollte ich heute auch gar nicht verlangen.
Im Kopf beschäftigt mich gerade ohnehin etwas anderes: Ich bin weiterhin unsicher, wie es ab Llanes weitergehen soll. Noch weiß ich nicht, ob ich an der Küste bleibe oder doch auf den bergigen Camino Primitivo wechsle. Einen Pausentag in Llanes habe ich jedenfalls schon fest eingeplant, und das klingt im Moment nach dekadentem Luxus pur. Eine Küche, eine Waschmaschine, zwei Tage ein bisschen mehr Komfort – das allein ist schon verlockend. Dazu kommt, dass ich meine kleinen Zehen dringend verarzten muss. Inzwischen machen nämlich beide gehörig Ärger, und es wäre vermutlich klug, mich darum zu kümmern, bevor die Füße anfangen, die weitere Zusammenarbeit komplett zu verweigern.
Bis Donnerstag ist der Plan erst einmal klar: Dann soll es nach Ribadesella gehen. Danach werde ich entscheiden, wie es weitergeht. Im Moment ruhe ich mich einfach aus, lasse den heutigen Asphalttag hinter mir und freue mich ehrlich gesagt wahnsinnig auf die Aussicht, in Llanes bald einmal wieder selbst kochen zu können. Für heute reicht es, einfach nur hier zu sein, die Beine hochzulegen und zu wissen, dass morgen ein neuer Tag kommt.

Comments are closed