Tag 17: Soto de Luiña nach Querúas

Heute ging es von Soto de Luiña nach Querúas, insgesamt 27 Kilometer, dazu viele Auf- und Abstiege, manche durchaus ordentlich steil, die meisten aber gut zu bewältigen. Die Nacht war angenehm ruhig, ich habe gut geschlafen, was nach den letzten Tagen schon fast als kleiner Luxus durchgeht. Entsprechend ließ ich es morgens etwas gemächlicher angehen und startete erst um acht. Ich wollte vorher noch zum Eisenwarenhandel, um einen neuen Stopfen für meinen Wanderstab zu besorgen, und außerdem den Wasserbeutel noch einmal flicken. Ob die Reparatur wirklich hält, wird sich zeigen – der Camino hat bei solchen Dingen ja einen ausgesprochen eigenen Sinn für Dramaturgie.

In Soto war sonst kaum etwas geöffnet. Immerhin waren die Schuhe wieder trocken, die Socken ebenfalls halbwegs einsatzbereit, und ich konnte meine Füße in Ruhe versorgen, bevor es losging. Der Supermarkt hatte noch geschlossen, also kaufte ich beim Bäcker erst einmal Brot. Dann ging es bei bestem Wetter los in Richtung Novellana. Schon am Morgen waren erstaunlich viele Pilger unterwegs, und es hatte sofort wieder dieses eigentümliche Gefühl von Gemeinsamkeit auf Abstand: Man sieht sich, nickt sich zu, verschwindet wieder in seinem eigenen Rhythmus und begegnet sich später irgendwo zwischen zwei Hügeln erneut.

Die Etappe hatte es durchaus in sich. Insgesamt waren es zehn Auf- und Abstiege mit zusammen rund 860 Höhenmetern bergauf, und auch wenn das auf dem Papier sehr sportlich klingt, war der Weg über weite Strecken wirklich schön. Viele Wiesenwege, viele Waldstücke, dazu immer wieder großartige Panoramen, bei denen man fast automatisch langsamer wird, selbst wenn man eigentlich zügig vorankommen will.

Ich machte Pausen in Novellana und Ballota, was vernünftig war, denn heute fiel mir das Gehen trotz des guten Wetters spürbar schwerer als sonst.

Das Energielevel ist im Moment einfach niedriger, die letzten Tage waren anstrengend, und irgendwann meldet sich der Körper dann doch mit Nachdruck.

Vor allem die Rückenmuskulatur macht sich bemerkbar. Die vielen Höhenmeter fordern ihren Tribut, und ich spüre, dass ich inzwischen nicht mehr nur aus frischen Beinen laufe, sondern zunehmend auch aus Gewohnheit, Rhythmus und einer gewissen sturen Entschlossenheit. Trotzdem komme ich weiterhin gut voran. Manche Stellen auf dem Weg erkannte ich sofort wieder, bei anderen war ich mir nicht sicher, ob ich sie wirklich schon einmal gesehen hatte oder ob sie einfach nur so aussahen, wie Wege in dieser Gegend eben aussehen, wenn man seit Tagen über Hügel, durch Wälder und an Wiesen entlangläuft.

In Querúas angekommen, wartete dann das, was man an langen Pilgertagen besonders zu schätzen lernt: eine gute Herberge. Sie ist ruhig, sauber und genau die Art von Ort, an dem der Tag langsam wieder in Ordnung kommt. Ich habe erst einmal lange und heiß geduscht, was in meinem aktuellen Zustand beinahe therapeutischen Charakter hatte. Danach sieht die Welt schon wieder deutlich versöhnlicher aus.

Insgesamt geht es mir gut. Ich bin entspannt, auch wenn die nassen Schuhe mir inzwischen die eine oder andere kleine Blase beschert haben. Noch ist das alles im grünen Bereich, und ich hoffe sehr, dass es nicht mehr daraus wird. Der Wasserbeutel war heute jedenfalls noch nicht dicht, also habe ich einen weiteren Reparaturversuch gestartet. Morgen werde ich sehen, ob das nun endlich funktioniert. Falls nicht, werde ich wohl bis Ribadeo weiter improvisieren müssen: Wasservorrat seitlich im Rucksack, dazu eine kleine Flasche in der Hand, die ich immer wieder auffülle. Das ist nicht besonders elegant, aber praktikabel – und auf dem Camino ist praktikabel oft schon fast dasselbe wie gut.

Morgen stehen dann wieder 34 Kilometer bis Navia an. Heute aber bin ich erst einmal zufrieden, angekommen zu sein. Es war kein spektakulärer Tag im klassischen Sinn, eher einer dieser stilleren Pilgertage, an denen man merkt, dass der Weg weitergeht, auch wenn der Körper müder wird. Vielleicht sind es genau diese Tage, die am Ende mehr über das Pilgern erzählen als die ganz großen Momente.

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